Hundetrainer?!

"„Warst du schon in der Hundeschule?“ - Diese Frage wird Neuhundebesitzern oft gestellt. Vor ein paar Jahren war das noch gänzlich anders, da gab es kaum Hundeschulen, sehr wohl aber Hundesportvereine. Kaum jemand sah die Notwendigkeit mit seinem Familienhund einen "Trainer" aufzusuchen. Heute hingegen erscheint es unvorstellbar mit dem Welpen keine Spielstunde zu besuchen, nicht anschließend einen Grundkurs zum Gehorsamstraining zu absolvieren und dann eventuell noch weitere Aktivitäten wie Agility oder Dogdance aufzunehmen.

In Fernsehsendungen rund um das Haustier erfährt man, dass der Hund und sein Mensch einen „Hundeprofi“ zur Seite gestellt brauchen und der Vierbeiner beschäftigt sein will. Im Internet kann man es auch in Foren und auf bunten Websites lesen und die zahlreichen Hochglanz-Hundemagazine bestätigen das auch! Also muss es ja stimmen - der Markt ist geschaffen und auf diesem buhlen inzwischen zahllose, ganz unterschiedliche Anbieter um Kundschaft - "Hunde- und Tierpsychologen", "Verhaltenstherapeuten für Hunde", "Hundetrainer" (gerne auch mit dem Zusatzetikett "zertifiziert von der Akademie X" oder "dem Hundetrainer Y")  oder gar "Hundeflüsterer". Schön wäre es, wenn man nun aus der Entwicklung das Fazit ziehen könnte, dass die Hunde es früher schlechter hatten, weil sie keine so kompetente Betreuung und Begleitung erfahren haben wie heute. Nur leider geht die Rechnung nicht auf, weil die Qualität der "Lehre" nicht stimmt. Die im Folgenden gemachten Angaben beziehen sich auf die Situation in Deutschland, allerdings ist die Lage in Österreich und der Schweiz nicht grundlegend anders.

Es braucht nicht viel, um eine Hundeschule zu eröffnen oder sich als Hundetrainer selbständig zu machen. Ein Gewerbeschein vom Amt reichte lange Zeit. Erst seit August 2013 schreibt das Tierschutzgesetz für künftige Hundetrainer vor, dass diese auch einen Sachkundenachweis in Sachen Hund erbringen müssen. Die "Berufs"bezeichnungen sind allesamt ungeschützt und mit keinem verbindlichen Inhalt verknüpft. Besonders irreführend ist es auch, dass bei den gewählten Bezeichnungen ein Wortteil beim potentiellen Kunden immer Assoziationen auslöst, die auf eine fundierte und qualifizierte Ausbildung schließen lassen (Hunde-„Psychologe“, „Therapeut“, „Schule“) – dieses Versprechen wird aber in den allermeisten Fällen nicht eingelöst. Wer sich also ratsuchend an einen Hundetrainer wendet oder gutgläubig seinen Welpen zur Spielstunde in der Hundeschule anmeldet,  weiß das nicht und vertraut darauf, dass der "Lehrer" in einer "Hundeschule" sein Fach "studiert" hat, also über breites und gesichertes Wissen in Sachen Hund und Lernen verfügt. [...]"

Dies ist ein Auszug aus meinem Beitrag "Dilemma Hundetrainerausbildung", veröffentlicht im Buch "Leben mit Hunden - gewusst wie!" (Kynos Verlag, April 2014). 
Im nachfolgenden Kapitel hat Kirsten Berger-Demski Kriterieren zusammengestellt, anhand derer sich eine gute von einer schlechten Hundeschule unterscheiden lässt.

Ich kann jedem Hundehalter nur raten:

Schauen Sie sich insbesondere die Qualifikation des von Ihnen gewählten Trainers genau an.
Fragen Sie ruhig nach, ob und wo er oder sie seine bzw. ihre Ausbildung gemacht hat und fragen Sie nach Inhalten und Umfang. Wie sieht es mit Fortbildungen aus - werden diese regelmäßig besucht?
Investieren Sie die halbe Stunde in eine Internetrecherche zu den Namen, die Sie in diesem Kontext genannt bekommen. Lesen Sie kritisch.
Nehmen Sie lieber einen längeren Anfahrtsweg in Kauf - ein schlechte/r Trainer/in verursacht garantiert Folgekosten, so dass die Zeit- und Kostenersparnis sich wieder aufwiegt.

Und an die Hundetrainer gerichtet:

Investieren Sie in fundierte Aus- und Fortbildung und zeigen Sie damit Qualitätsbewusstsein, vermarkten sie sich entsprechend und verschaffen Sie sich so ganz nebenbei nicht nur Wissens- und Kompetenzvorsprung, sondern auch Wettbewerbsvorteile. Organisieren Sie sich in einem Berufsverband, der gewisse Standards setzt und prüft und dies auch als Interesse nach außen vertritt.

Es gibt keine Qualitätssicherung und Verbraucherschutz in Sachen Hundetraining.
Jeder kann sich anbieten - die Zahl der Ungelernten, Unfähigen und Unsicheren ist groß und auf dem großen grauen Markt finden sich die Hundebesitzer kaum noch zurecht und die guten Trainer haben Schwierigkeiten in der großen Menge zu bestehen. Größte Leidtragende sind oft die Hunde, denen einiges zugemutet wird und die die Konsequenzen zu tragen haben.

Letztlich muss das Dilemma politisch gelöst werden und es ist Aufgabe der Interessensvertretung der Hundetrainer und eigentlich auch der Hundehalter diese einzufordern und auf den Weg zu bringen.
Bleibt zu hoffen, dass die ersten Vorstöße, die in dieser Richtung unternommen wurden, zu einem Ergebnis führen, das mehr als ein schlechter Kompromiss ist.